
Keine Filmszene aus ‚Frau Winkler verlässt das Haus“
Wohnen im Wandel | Teil 1
Alt werden möchten wir eigentlich alle. Aber über das Altsein sprechen wir nicht besonders gerne. Schon gar nicht darüber, was passiert, wenn wir irgendwann unseren Alltag nicht mehr vollständig allein bewältigen können.
Dabei betrifft das Thema nicht nur die Menschen, die älter werden. Es betrifft ihre Partner, Kinder und Enkel, manchmal sogar mehrere Generationen gleichzeitig. Und es betrifft unsere Wohnungen und Häuser. Denn was passiert eigentlich, wenn unser Zuhause, in dem wir vielleicht seit Jahrzehnten leben, plötzlich nicht mehr zu unseren Bedürfnissen passt?
Frau Winkler bekommt einen Pflegeroboter
Am 1. Oktober 2026 ist der neue Film von Doris Dörrie „Frau Winkler verlässt das Haus“ in die deutschen Kinos gekommen. Die Geschichte spielt im Jahr 2030, also gerade einmal vier Jahre in der Zukunft.
Frau Winkler ist 80 Jahre alt, verwitwet und lebt allein. Nach einem Unfall benötigt sie zunehmend Unterstützung. Ihre Tochter Emi kann die Betreuung nicht dauerhaft übernehmen, und die finanziellen Mittel für eine umfassende menschliche Pflege reichen nicht aus. Also zieht ein Pflegeroboter bei Frau Winkler ein. Anfangs ist sie alles andere als begeistert. Doch im Laufe der Geschichte entwickelt sich zwischen ihr und dem Roboter, den sie Pawlowitsch nennt, eine ungewöhnliche Beziehung.
Der Roboter hilft ihr nicht nur im Alltag. Er wird auch zum Gesprächspartner und beschäftigt sich mit ihrer Vergangenheit, ihren Erinnerungen und ihrer Liebe zum Theater. Ich habe den Film bisher nur in Ausschnitten gesehen, weil er hier in Spanien noch nicht verfügbar ist. Aber allein die Geschichte finde ich ausgesprochen interessant.
Endlich wird einmal offen darüber gesprochen, was das Älterwerden mit sich bringen kann. Ohne so zu tun, als wären mit 80 grundsätzlich alle Menschen fit, selbstständig und bestens versorgt. Natürlich gibt es viele Menschen, die auch mit 90 noch wunderbar allein zurechtkommen. Andere benötigen bereits wesentlich früher Unterstützung.
Und genau darin liegt eine der Herausforderungen: Wir wissen nicht, wie sich unser eigenes Leben entwickeln wird.
Wenn die Mutter Hilfe braucht, verändert sich auch das Leben der Tochter

Was mich an Frau Winklers Geschichte besonders beschäftigt, ist die Situation ihrer Tochter. Denn wenn ein älterer Mensch Unterstützung benötigt, verändert sich häufig nicht nur dessen Leben. Stellen wir uns vor, eine Frau ist Mitte 50 oder Anfang 60. Die eigenen Kinder sind vielleicht gerade aus dem Haus. Sie freut sich darauf, endlich wieder mehr Zeit für ihren Partner, ihre Interessen oder die Enkelkinder zu haben.
Und plötzlich benötigt ihre 80-jährige Mutter regelmäßig Hilfe. Einkaufen, Arztbesuche, Haushalt, Behördengänge und irgendwann vielleicht auch die tägliche Betreuung. Natürlich möchte sie ihrer Mutter helfen. Aber wie viel kann sie tatsächlich übernehmen?
Was passiert mit ihrer eigenen Familie, ihrem Beruf und ihren persönlichen Plänen? Und was ist, wenn die Mutter nicht um die Ecke wohnt, sondern 500 Kilometer entfernt? Beim wöchentlichen Videoanruf sagt sie vielleicht immer wieder: „Mir geht es gut. Mach Dir keine Sorgen.“ Doch beim nächsten Besuch stellt die Tochter fest, dass die Mutter inzwischen nur noch zwei Räume ihres Hauses nutzt. Das Obergeschoss wird kaum noch betreten, notwendige Reparaturen bleiben liegen und der Garten ist längst zur Belastung geworden.
Vielleicht hat die Mutter vieles bewusst vereinfacht. Vielleicht möchte sie auch nicht zugeben, dass ihr manche Dinge inzwischen schwerfallen. Plötzlich stehen Entscheidungen an, mit denen sich vorher niemand beschäftigen wollte. Soll die Mutter umziehen? Kann sie in ihrem Haus bleiben? Welche Unterstützung ist möglich? Und wer organisiert das alles?
Solche Situationen zeigen, wie eng unser Wohnen mit dem Leben anderer Menschen verbunden ist.
Kann ein Roboter diese Probleme lösen?
Genau an dieser Stelle wird Frau Winklers Geschichte besonders spannend.
Was wäre, wenn ein Roboter tatsächlich einen Teil der täglichen Unterstützung übernehmen könnte? Wenn er daran erinnert, Medikamente einzunehmen, bei alltäglichen Aufgaben hilft, Veränderungen erkennt und im Notfall Unterstützung anfordert?
Könnte die Mutter dadurch länger selbstständig in ihrem Zuhause bleiben? Und würde das gleichzeitig die Tochter entlasten? Die Vorstellung ist faszinierend. Allerdings müssen wir unterscheiden, was heute bereits möglich ist und was noch zur Forschung oder zur filmischen Zukunft gehört.
Hausnotrufsysteme, intelligente Beleuchtung, Sensoren und sprachgesteuerte Assistenzsysteme sind längst verfügbar. Sie können bestimmte Aufgaben erleichtern und dabei helfen, den Alltag sicherer zu gestalten. Auch künstliche Intelligenz wird zunehmend eingesetzt, um Informationen auszuwerten und technische Systeme zu steuern. Ein humanoider Pflegeroboter wie Pawlowitsch, der weitgehend selbstständig einen Menschen betreut, Gespräche führt und unterschiedlichste Pflegeaufgaben übernimmt, ist dagegen noch keine allgemein verfügbare Lösung für private Haushalte.

Und selbst wenn solche Roboter eines Tages bezahlbar und zuverlässig funktionieren, bleiben wichtige Fragen. Wer trägt die Verantwortung, wenn die Technik versagt? Wer entscheidet, welche Daten erfasst und weitergegeben werden? Und wie viel menschliche Nähe kann oder soll eine Maschine überhaupt ersetzen?
Ein Roboter könnte Angehörige und Pflegekräfte unterstützen. Aber daraus folgt nicht, dass wir auf menschliche Beziehungen verzichten können.
Sind unsere Häuser auf diese Zukunft vorbereitet?
Als Malermeisterin und Feng-Shui-Expertin beschäftigt mich bei dieser Entwicklung noch eine ganz andere Frage. Was müsste sich eigentlich an unseren Wohnungen und Häusern verändern, damit solche technischen Helfer dort sinnvoll eingesetzt werden könnten?
Unsere Grundrisse wurden schließlich nicht für Pflegeroboter entworfen. In vielen Häusern gibt es schmale Flure, Türschwellen, enge Badezimmer und Treppen, die bereits für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit problematisch werden können.
Ein mobiler Roboter benötigt ebenfalls Bewegungsflächen. Soll er beispielsweise Gegenstände transportieren oder einen Menschen körperlich unterstützen, steigen die Anforderungen an seine Technik und möglicherweise auch an die räumlichen Gegebenheiten erheblich. Dabei können wir heute noch gar nicht zuverlässig sagen, welche Voraussetzungen zukünftige Pflegeroboter tatsächlich benötigen werden.
Trotzdem lohnt es sich, bereits bei der Planung oder Renovierung darüber nachzudenken, wie flexibel ein Zuhause sein sollte. Denn wir bauen und renovieren häufig für unsere momentane Lebenssituation. Was in zwanzig oder dreißig Jahren sein könnte, spielt dabei meistens eine untergeordnete Rolle.
Dabei lassen sich manche Voraussetzungen von Anfang an berücksichtigen, ohne dass ein Haus deshalb wie eine Pflegeeinrichtung aussehen muss.
Und was sagt Feng Shui dazu?
Im Feng Shui beschäftigen wir uns intensiv mit der Beziehung zwischen Menschen und ihrer räumlichen Umgebung. Wir betrachten die Gebäudeausrichtung, den Grundriss, die Raumfunktionen und die Wegeführung. Ebenso wichtig ist die Frage, wie die Bewohner ihre Räume tatsächlich nutzen.
Wenn sich die Lebenssituation verändert, sollten wir deshalb auch die bisherige Raumgestaltung neu betrachten. Ein Schlafzimmer, das früher wunderbar funktioniert hat, ist möglicherweise nicht mehr geeignet, wenn es nur über eine schwer zu bewältigende Treppe erreichbar ist.
Ein Wohnzimmer kann plötzlich zusätzliche Funktionen übernehmen, wenn dort eine Betreuungsperson regelmäßig anwesend ist oder technische Hilfsmittel benötigt werden. Dabei geht es nicht nur um ausreichende Bewegungsflächen.
Es geht auch um Privatsphäre, Rückzugsmöglichkeiten, Licht, Materialien und eine Raumgestaltung, in der sich die Bewohner weiterhin wohlfühlen. Aus Feng-Shui-Sicht berücksichtige ich zusätzlich die Zuordnung der Räume, das Verhältnis von Yin und Yang sowie die Wirkung der fünf Elemente.
Wenn beispielsweise bauliche Veränderungen notwendig werden, kann das auch Auswirkungen auf eine bestehende Feng-Shui-Analyse haben. Ein verlegter Hauseingang, ein Anbau oder eine veränderte Raumaufteilung müssen deshalb im Zusammenhang mit dem gesamten Gebäude betrachtet werden. Aber eines ist selbstverständlich: Sicherheit und notwendige Maßnahmen zur Barrierefreiheit haben immer Vorrang.
Ein Zuhause muss zu den Menschen passen, die darin leben. Nicht umgekehrt.
Und wenn eines Tages ein Roboter zum Haushalt gehört, müssen wir auch ihn bei der Raumplanung berücksichtigen, ohne dabei die Bedürfnisse der Menschen aus den Augen zu verlieren.
Wohnen im Wandel: Warum ich mich mit diesen Fragen beschäftige

Frau Winklers Geschichte hat mich dazu gebracht, eine neue Artikelserie zu beginnen. Denn unsere Wohnräume bleiben häufig über viele Jahre nahezu unverändert, während sich unser Leben immer wieder verändert.
In meiner langjährigen Arbeit als Malermeisterin und Feng-Shui-Expertin habe ich die unterschiedlichsten Wohnsituationen kennengelernt, analysiert und optimiert. Dabei habe ich erlebt, wie unterschiedlich die Anforderungen an ein Zuhause sein können. Und wie viel sich durch eine durchdachte Raumplanung verändern lässt.
Manchmal reichen Veränderungen bei der Einrichtung oder der Nutzung einzelner Räume. Manchmal sind größere bauliche Maßnahmen notwendig. Und manchmal stellt sich tatsächlich die Frage, ob die bisherige Immobilie noch zur eigenen Lebenssituation passt.
Mit meiner neuen Serie „Wohnen im Wandel“ möchte ich genau diese Zusammenhänge aufgreifen.
Wir werden uns mit dem Älterwerden beschäftigen, mit Behinderungen und Pflegebedürftigkeit, mit veränderten Familienverhältnissen und neuen Wohnformen. Wir werden uns anschauen, wie sich ein Haus im Laufe mehrerer Lebensphasen verändern kann und welche Auswirkungen Anbauten, neue Eingänge oder eine andere Nutzung der Räume auf das Feng Shui haben.
Und wir werden uns mit künstlicher Intelligenz, Smart Home und Robotik beschäftigen. Mit den Möglichkeiten, die bereits heute bestehen, und mit Entwicklungen, die unser Wohnen in Zukunft vielleicht grundlegend verändern werden. Dabei möchte ich nicht nur theoretische Überlegungen anstellen, sondern anhand konkreter Beispiele zeigen, was tatsächlich machbar ist und wo die Grenzen liegen.
Denn aus meiner Sicht sollten wir bei der Planung eines Hauses nicht nur darüber nachdenken, wie wir heute darin leben möchten. Wir sollten auch berücksichtigen, dass sich unser Leben verändern wird.
Vielleicht ist Frau Winklers Zukunft gar nicht mehr so weit entfernt
Ob im Jahr 2030 tatsächlich Pflegeroboter wie Pawlowitsch in unseren Wohnungen unterwegs sein werden, darf bezweifelt werden. Aber die Fragen, die der Film aufwirft, sind längst Teil unseres Alltags.
Wie möchten wir leben, wenn wir älter werden? Wie viel Verantwortung können und wollen Angehörige übernehmen? Welche technischen Möglichkeiten könnten uns unterstützen? Und vor allem: Wie müssen unsere Wohnungen und Häuser gestaltet sein, damit wir auch bei veränderten Lebensumständen möglichst selbstbestimmt darin leben können?
Ich finde, darüber sollten wir sprechen. Und zwar nicht erst, wenn eine Veränderung unausweichlich geworden ist.
Vielleicht wird die Zukunft unseres Wohnens nicht allein davon abhängen, welche technischen Möglichkeiten wir haben. Sondern auch davon, wie gut wir unsere Häuser darauf vorbereiten, dass sich unser Leben immer wieder verändert.
Was meinst Du? Könntest Du Dir vorstellen, eines Tages von einem Roboter im eigenen Zuhause unterstützt zu werden? Oder wäre Dir das eher unheimlich?
nzwischen sind zwei weitere Beiträge meiner Reihe „Wohnen im Wandel“ erschienen. Im zweiten Teil beschäftige ich mich damit, was passiert, wenn nicht das Haus, sondern das Grundstück zur Belastung wird. Im dritten Teil zeige ich anhand eines Familiengartens, wie wir schon in jungen Jahren für spätere Lebensphasen planen können.
Hinweis zur Verwendung künstlicher Intelligenz
Die Bilder in diesem Beitrag wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt. Sie dienen der Veranschaulichung möglicher Wohnsituationen und technischer Entwicklungen. Die dargestellten Personen und Pflegeroboter sind fiktiv und zeigen keine Szenen aus dem Film „Frau Winkler verlässt das Haus“.