
Wohnen im Wandel, Teil 2: Warum wir bei der Planung unseres zukünftigen Zuhauses nicht nur an das Haus denken sollten.
In meinem ersten Beitrag über Frau Winkler ging es um die Frage, wie wir in Zukunft wohnen möchten. Doch was ist eigentlich, wenn das Haus noch wunderbar zu uns passt und die Herausforderungen ganz woanders liegen?
Ich lebe in Spanien in einem kleinen Holzhaus auf einem größeren Grundstück mit zahlreichen Orangenbäumen. Ich liebe unser Zuhause und die Möglichkeiten, die uns dieses Grundstück bietet. Allerdings weiß ich auch, wie viel Arbeit damit verbunden ist. Größere Arbeiten lassen wir bereits heute teilweise von einem Gärtner erledigen. Und wenn die Orangen reif sind, steht natürlich die Ernte an.
Das ist für mich ein gutes Beispiel dafür, dass ein Grundstück nicht nur Lebensqualität bedeutet, sondern auch Verantwortung und regelmäßige Arbeit mit sich bringt.
Aber passt eigentlich nicht nur unser Haus, sondern auch unser Grundstück zu unserem zukünftigen Leben?
Wenn der Weg zur Haustür zum Problem wird
Bei altersgerechtem Wohnen denken die meisten zunächst an barrierefreie Badezimmer, Treppenlifte oder ein Schlafzimmer im Erdgeschoss. Doch was ist mit den Außenanlagen?
Stell Dir ein Haus in Hanglage vor. Vom Gehweg führen 20 Stufen zur Haustür. Jahrzehntelang war das kein Problem. Doch plötzlich ist einer der Bewohner auf einen Rollator angewiesen. Zudem ist auch der Garten am Hang angelegt und dann nicht mehr so leicht zu bewirtschaften.
Jetzt muss überlegt werden, ob ein zusätzlicher Zugang möglich ist. Vielleicht lässt sich eine Rampe anlegen oder ein Außenaufzug installieren. Solche Maßnahmen benötigen allerdings Platz und sind häufig mit erheblichen baulichen Veränderungen verbunden.
Deshalb lohnt es sich, bereits bei einer Renovierung der Außenanlagen darüber nachzudenken, welche Möglichkeiten das Grundstück langfristig bietet. Nicht alles muss sofort umgesetzt werden. Aber wir können vermeiden, dass wir heute teuer gestalten und wenige Jahre später wieder alles verändern müssen.
Und wo parkt eigentlich der Pflegedienst?

Dieser Punkt wird häufig übersehen.
Viele Menschen möchten möglichst lange in ihrem Zuhause wohnen. Vielleicht benötigen sie irgendwann Unterstützung durch Angehörige, Pflegekräfte oder einen ambulanten Pflegedienst. Doch wie gut ist das Haus für diese Menschen erreichbar?
Es gibt zahlreiche Wohngebiete mit schmalen Straßen, steilen Zufahrten oder kaum vorhandenen Parkmöglichkeiten. Pflegekräfte müssen ihre Fahrzeuge teilweise weit entfernt abstellen und mit ihren Taschen zum Haus laufen.
Das ist nicht nur in Spanien so. Solche Situationen kennen wir genauso aus Deutschland, Österreich und anderen Ländern. Bei einer vorausschauenden Grundstücksplanung sollten wir deshalb überlegen, ob beispielsweise ein zusätzlicher Stellplatz geschaffen werden kann. Auch ein gut erreichbarer Eingang, ausreichend breite Wege und eine vernünftige Beleuchtung können den Alltag erheblich erleichtern.
Besonders wichtig ist außerdem die Frage, wie Rettungskräfte das Gebäude erreichen und ob ein Mensch im Notfall auch liegend aus dem Haus transportiert werden kann. Natürlich lässt sich nicht jedes Grundstück entsprechend umbauen. Aber genau deshalb sollten wir diese Fragen frühzeitig stellen.
Irgendwann braucht man Unterstützung. Und die kostet Geld.

Ein großer Garten macht Arbeit. Rasen mähen, Hecken schneiden, Bäume pflegen, Pflanzen bewässern und Wege instand halten. Hinzu kommen saisonale Arbeiten wie der Baumschnitt oder die Obsternte, die sich nicht beliebig verschieben lassen. Viele Menschen erledigen das über Jahrzehnte ganz selbstverständlich. Doch irgendwann werden manche Arbeiten beschwerlicher. Und dann fällt es vielen erstaunlich schwer, sich einzugestehen, dass sie Unterstützung benötigen.
Wer sein Leben lang alles selbst gemacht hat, möchte nicht plötzlich auf andere angewiesen sein. Dabei kann es durchaus sinnvoll sein, bestimmte Arbeiten schon früher abzugeben. Nur dürfen wir eines nicht vergessen: Diese Hilfe muss normalerweise bezahlt werden. Ein Gärtner, der regelmäßig kommt, die jährliche Baumpflege oder die Wartung des Pools verursachen laufende Kosten. Werden nach und nach weitere Arbeiten abgegeben, können daraus erhebliche jährliche Ausgaben entstehen. Deshalb gehört für mich zur vorausschauenden Wohnplanung auch die Frage, ob wir uns die notwendige Unterstützung langfristig leisten können und möchten.
Vielleicht ist eine Umgestaltung des Grundstücks wirtschaftlich sinnvoller. Vielleicht lassen sich pflegeintensive Flächen reduzieren oder bestimmte Arbeiten anders organisieren. Entscheidend ist, dass wir uns rechtzeitig damit beschäftigen.
Muss der Garten deshalb kleiner werden?
Nicht unbedingt. Für viele Menschen ist die Arbeit im Garten ein wichtiger Teil ihres Lebens. Sie lieben es, zu säen, zu pflanzen und zu ernten. Deshalb wäre es falsch, einen Garten ausschließlich unter dem Gesichtspunkt des Pflegeaufwands zu betrachten.
Vielleicht möchten wir weiterhin unser Gemüse anbauen, aber die großen Hecken nicht mehr selbst schneiden. Vielleicht genügen einige gut erreichbare Beete direkt am Haus, während weiter entfernte Bereiche weniger intensiv gepflegt werden.
Wie sich ein Garten über mehrere Jahrzehnte entwickeln kann und was wir bereits bei seiner ersten Gestaltung berücksichtigen sollten, zeige ich Dir im dritten Teil meiner Reihe: „Der Garten – wie wir schon in jungen Jahren für später planen können“.
Feng Shui beginnt nicht erst an der Haustür

Im klassischen Feng Shui spielte die Umgebung eines Gebäudes schon immer eine wesentliche Rolle. Bevor über die Ausrichtung und Platzierung eines Hauses entschieden wurde, betrachtete man das Gelände, die vorhandenen Landschaftsformen, Wasserläufe und die Möglichkeiten der Erschließung. Das Ziel war, das Gebäude so in seine Umgebung einzufügen, dass es möglichst günstig mit Qi versorgt wird.
Heute erleben wir bei vielen Bauvorhaben eine andere Reihenfolge. Zuerst wird das Haus geplant, anschließend die Zufahrt und die Terrasse. Und wenn das Budget noch reicht, wird irgendwann der Garten angelegt. Dabei hätten viele Entscheidungen bereits bei der Grundstücksplanung berücksichtigt werden können.
Aus Feng-Shui-Sicht betrachten wir die Lage und Ausrichtung des Gebäudes, die Grundstücksform, die Wegeführung, Eingangsbereiche, Höhenunterschiede, Wasserflächen sowie die Gestaltung mit Farben, Materialien und Pflanzen. Wenn später ein zusätzlicher Parkplatz entsteht, ein Weg verlegt oder ein neuer Hauseingang geschaffen wird, kann sich dadurch auch die bisherige Feng-Shui-Situation verändern.
Deshalb sollten solche Maßnahmen nicht isoliert betrachtet werden. Eine gute Planung verbindet die funktionalen Anforderungen mit der Gestaltung des gesamten Grundstücks. Notwendige Maßnahmen zur Sicherheit und Barrierefreiheit haben dabei selbstverständlich Vorrang.
Das Grundstück darf sich mit unserem Leben verändern
Wir verändern unsere Häuser ganz selbstverständlich, wenn sich unsere Lebensumstände ändern. Aus Kinderzimmern werden Arbeitszimmer, Badezimmer werden modernisiert und manchmal verändern wir sogar ganze Grundrisse.
Warum sollten wir unsere Grundstücke nicht genauso betrachten? Vielleicht benötigen wir irgendwann einen besser erreichbaren Eingang. Vielleicht möchten wir einen Teil der Gartenarbeit abgeben oder bestimmte Flächen anders nutzen.
Und möglicherweise erkennen wir auch, dass ein Grundstück langfristig nicht mehr zu unseren Bedürfnissen passt. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass wir unser Zuhause aufgeben müssen. Manchmal genügt es, vorhandene Möglichkeiten neu zu betrachten und rechtzeitig Veränderungen einzuplanen.
Denn ein Haus kann noch wunderbar zu uns passen, während das Grundstück längst andere Anforderungen an uns stellt.
Wie sieht es bei Dir aus?
Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, ob Dein Grundstück auch in zehn oder zwanzig Jahren noch zu Deinem Leben passt? Wie gut ist Dein Haus erreichbar? Welche Arbeiten möchtest Du weiterhin selbst erledigen? Wo könntest Du Unterstützung benötigen und was würde Dich diese langfristig kosten?
Damit Du Dein Grundstück einmal aus dieser Perspektive betrachten kannst, habe ich einen Fragebogen vorbereitet. „Passt Dein Grundstück auch morgen noch zu Deinem Leben?“
Er hilft Dir dabei, die Zugänglichkeit, den Pflegeaufwand, notwendige Unterstützung und mögliche Veränderungen genauer einzuschätzen. Denn unser Zuhause endet nicht an der Haustür.
Hinweis: Einige der verwendeten Bilder wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und dienen der Veranschaulichung der beschriebenen Wohnsituationen.